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Mumien, Monstren, Mutationen: Franz Winzentsen, Elke Loewe und eine norddeutsche Fernseherinnerung

Inhaltlich geprüft und verantwortlich: Frank Willeke

Ein paar Sekunden Trickfilm, die Jahrzehnte überdauern: Wer mit dem norddeutschen Fernsehen aufgewachsen ist, erinnert sich vielleicht noch an die unheimlichen Bilder von „Mumien, Monstren, Mutationen“. Hinter dem Vorspann des NDR-Gruselkabinetts stand Franz Winzentsen – ein Hamburger Künstler, dessen Schaffen auch auf besondere Weise mit dem Kunsthaus Stade und der Autorin Elke Loewe verbunden ist.

Ein Vorspann wird zur Fernseherinnerung

1967 entwarf Franz Winzentsen die kurze animierte Titelsequenz für die NDR-Reihe „Das Gruselkabinett“. In seinem eigenen Filmprogramm ist die Arbeit unter „Mumien, Monster, Mutationen“ aufgeführt: 1967, 20 Sekunden, Titel für die NDR-Serie. In der Erinnerung vieler Zuschauer ist die Form „Mumien, Monstren, Mutationen“ geläufig. Hinter den wenigen Sekunden steckt jene grafische Fantasie, die Winzentsens experimentelle Filmarbeit kennzeichnet.

Das Gruselkabinett bot dem norddeutschen Fernsehpublikum klassische Grusel-, Horror- und fantastische Filme. Was nach einem winzigen Stück Sendungsgestaltung klingt, entwickelte ein bemerkenswertes Eigenleben: Manchmal genügt ein kurzer Vorspann, um sich Jahrzehnte später an eine ganze Fernsehepoche zu erinnern.

Das Originalintro zum Wiedersehen

https://www.youtube.com/watch?v=70ZN0h5GFYI
Historischer Gruselkabinett-Vorspann von Franz Winzentsen (1967). Wiedergabe über YouTube, soweit verfügbar.

Den Vorspann direkt auf YouTube ansehen.

Wer ist Franz Winzentsen?

Franz Winzentsen, 1939 in Hamburg geboren, gehört zu den prägenden experimentellen Animationsfilmern Norddeutschlands. Sein erstes an der Hamburger Kunsthochschule gedrehtes Animationswerk war 1964 seine Examensarbeit. Später entwickelte er eigene Kurzfilme und arbeitete im innovativen Umfeld der Cinegrafik. In seiner Kunst erweckt er Zeichnungen, Fundstücke, Puppen und Alltagsgegenstände zu unerwartetem Leben.

Winzentsen engagierte sich in der unabhängigen Hamburger Filmszene und war an der experimentellen Figurentheatergruppe „Rhabarber“ beteiligt. 1987 wurde er Professor an der Hochschule für bildende Künste Hamburg und baute dort die Animationsfilmklasse auf. Seine Werke verbinden handwerkliche Experimentierfreude, Humor und mitunter einen surrealen Blick auf den Alltag.

Was verbindet Winzentsen mit Elke Loewe?

Auf den ersten Blick liegen Welten zwischen seinem unheimlichen NDR-Vorspann und den sanften, philosophischen Gesprächen der Trickfilm-Schweine Piggeldy und Frederick. Doch beide Werke zeigen, wie kraftvoll wenige bewegte Bilder eine Geschichte oder Stimmung transportieren können.

Hinzu kommt eine persönliche Verbindung: Nach persönlicher Kenntnis aus dem Umfeld der NOIO-Redaktion sind Franz Winzentsen und die Autorin Elke Loewe befreundet. Diese Information stammt aus einer persönlichen Auskunft; eine unabhängige öffentliche Bestätigung oder Datierung der Freundschaft liegt NOIO bislang nicht vor. Eine dokumentierte künstlerische Begegnung lässt sich dagegen zeigen.

2021: Piggeldy und Frederick im Kunsthaus Stade

Vom 8. Mai bis 5. September 2021 widmete das Kunsthaus Stade den bekannten Schweinebrüdern die Ausstellung „50 Jahre Piggeldy & Frederick – Nichts leichter als das …“. Die Geschichten hatte Elke Loewe geschrieben, die Bilder und Legetrickfilme gestaltete ihr Mann Dieter Loewe. Das begleitende Ausstellungsmagazin enthielt Texte von Elke Loewe, Regina Wetjen und Franz Winzentsen. Seine Mitwirkung verbindet die beiden künstlerischen Lebenswege auch ganz konkret mit Stade.

2023: Franz Winzentsens eigene Ausstellung

Vom 17. Juni bis 31. Oktober 2023 zeigte das Kunsthaus Stade „Fake, Figuren und Fiktion – Die bewegte Welt des Franz Winzentsen“. Filme, Puppen, Zeichnungen, Gemälde und Installationen machten die Vielfalt seines Werks sichtbar. Damit erhielt ein Künstler, dessen Arbeiten manche Zuschauer nur als Fernsehsekunden kennen, in Stade einen umfangreichen eigenen Auftritt.

Zwei sehr verschiedene Bildwelten – ein gemeinsamer Nachhall

Piggeldy und Frederick stellen Fragen an die Welt und finden eigenwillige Antworten. Die Gruselkabinett-Bilder verstören, überraschen und eröffnen in nur 20 Sekunden ein anderes Universum. Die Werke sind nicht gemeinsam produziert worden, und die Freundschaft allein erklärt keine künstlerischen Einflüsse. Doch es lohnt sich, beide nebeneinander zu betrachten: als Zeugnisse einer Zeit, in der norddeutsche Künstler mit ungewöhnlichen visuellen Ideen das Fernsehen prägten.

Eine persönliche Erinnerung

Auch der Autor dieses NOIO-Beitrags hat den Gruselkabinett-Vorspann als Kind gesehen. Die Bilder sind geblieben – obwohl die Ausstrahlung so lange zurückliegt. Vielleicht ist gerade das eine besondere Leistung dieser Filmkunst: Sie benötigt keine lange Erzählung, um ein Leben lang im Gedächtnis zu bleiben.

Weiterlesen bei NOIO: Elke Loewe: Die Frau hinter Piggeldy und Frederick – und weit mehr als das. Unser ausführlicher Artikel beleuchtet ihr Lebenswerk von den Anfängen des Trickfilmstudios im Landkreis Stade bis zu den Fernsehproduktionen, Romanen und Ausstellungen.

Quellen und weiterführende Links

Redaktionelle Anmerkung: Angaben zur persönlichen Freundschaft beruhen auf einer Mitteilung aus dem Umfeld der Redaktion und sind nicht unabhängig belegt. Das eingebettete Video wird von einer externen Plattform bereitgestellt.

Mehr zu Franz Winzentsen: NOIO beleuchtet sein Leben und sein Werk in einem eigenen Porträt – von den frühen Animationsfilmen über das Kinderfernsehen bis zum Atelier in Kutenholz. Zum Porträt „Franz Winzentsen: Wie ein Bildwerker aus der Region den deutschen Animationsfilm prägte“.


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