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Gummischmidt-Quartier: 151 neue Wohnungen – aber für wen?

Inhaltlich geprüft und verantwortlich: Frank Willeke

Auf dem früheren Gummischmidt-Gelände entsteht eines der größten aktuellen Wohnprojekte in Stade. Zwölf Häuser, 151 Eigentumswohnungen, Gewerbeflächen, Tiefgarage und umfangreiche grüne Infrastruktur sollen die alte Industriebrache verändern. Das Projekt hat nachvollziehbare Stärken – beim Thema bezahlbarer Wohnraum lohnt aber ein zweiter Blick.

80 Millionen Euro und 151 Eigentumswohnungen

Nach Angaben des Projektentwicklers Lindemann umfasst das Quartier 151 Wohnungen zwischen rund 32 und 186 Quadratmetern. Hinzu kommen etwa 780 Quadratmeter Gewerbeflächen, 115 Pkw-Stellplätze in einer Tiefgarage und rund 300 Fahrradstellplätze. Der Bau startete im Mai 2026, die ersten Gebäude sollen Anfang 2028 fertig werden, das gesamte Quartier voraussichtlich 2030.

Die Gebäude sollen als Effizienzhaus 40 QNG-Plus errichtet werden. Geplant sind zudem Gemeinschaftsflächen, Grünanlagen, ein Inklusionsspielplatz und eine Aufwertung der angrenzenden Contrescarpe.

2,625 Millionen Euro öffentliche Förderung – aber nicht für die Wohnungen

Das Projekt erhält rund 2,625 Millionen Euro aus dem Programm „Landschaftswerte 2.0“ mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung und des Landes Niedersachsen. Wichtig ist: Dieses Geld fließt nach den veröffentlichten Angaben nicht in die Verbilligung der Eigentumswohnungen, sondern in ökologische Maßnahmen und grüne Infrastruktur im Quartier und angrenzenden Bereichen.

Die aktuellen Preise

Auf Immowelt werden derzeit unter anderem 58 Quadratmeter für rund 396.000 Euro, 70 Quadratmeter für rund 475.000 Euro, 76 Quadratmeter für rund 496.000 Euro, 92 Quadratmeter für rund 599.500 Euro und 122 Quadratmeter für rund 799.500 Euro angeboten. Das entspricht in diesen Beispielen grob etwa 6.500 bis knapp 6.900 Euro pro Quadratmeter.

Neuer Wohnraum ist nicht automatisch bezahlbarer Wohnraum

Dass neue Wohnungen entstehen, ist grundsätzlich positiv. Eine Industriebrache wird genutzt, energieeffizient bebaut und städtebaulich aufgewertet. Dennoch sollte man zwei Debatten nicht vermischen: mehr Wohnraum und bezahlbarer Wohnraum sind nicht dasselbe.

Aus den derzeit öffentlich zugänglichen Vermarktungsunterlagen ist keine Quote preisgebundener Sozialwohnungen ersichtlich. Das Projekt wird ausdrücklich auch für Kapitalanleger beworben; wegen des Energiestandards wird auf steuerliche Sonderabschreibungsmöglichkeiten hingewiesen.

Was bekommt die Öffentlichkeit für die Förderung?

Wenn mit den Fördermitteln öffentliche Grünräume, Biodiversität, Regenwasserrückhalt und bessere Wegebeziehungen entstehen, kann der Nutzen weit über die Eigentümer hinausgehen. Entscheidend wird sein, wie öffentlich und dauerhaft zugänglich diese Verbesserungen tatsächlich sind.

NOIO-Einordnung: Das Gummischmidt-Quartier muss nicht schlecht sein, weil die Wohnungen teuer sind. Aber die Erzählung vom dringend benötigten neuen Wohnraum sollte genauer sein: Hier entsteht vor allem hochwertiger Eigentumswohnraum. Ob Stade parallel genügend preisgünstige Mietwohnungen und geförderten Wohnraum schafft, bleibt eine andere Frage.


Quellen:
Lindemann-Gruppe: Projektinformationen
Lindemann-Gruppe: Förderung und Vermarktung
Immowelt: aktuelle Angebote


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