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Als der Stader Fischmarkt das mittelalterliche Hamburg spielte

Inhaltlich geprüft und verantwortlich: Frank Willeke

Stroh auf dem Pflaster, Menschen in historischen Gewändern und Tiere zwischen Marktständen: Im August 2015 verwandelte sich der Stader Fischmarkt für wenige Tage in eine Filmkulisse aus dem Mittelalter. Gedreht wurde allerdings keine Dokumentation über Stade. Für „Gigant des Nordens – Hamburgs Aufstieg zum Welthafen“ spielte die Hansestadt an der Schwinge das alte Hamburg.

Wer damals am Fischmarkt unterwegs war, konnte eine ungewöhnliche Verwandlung beobachten. Die Gastronomen räumten ihre Tische und Stühle von den Terrassen; Stroh und Mulch kamen auf den Platz. Zwischen den Fachwerkfassaden entstand eine mittelalterliche Marktszene mit kostümierten Darstellern, Requisiten, Gänsen und Ziegen. Laut einem zeitgenössischen Bericht des Kreiszeitung Wochenblatts waren insgesamt rund 120 Komparsen, 60 Kleindarsteller und zehn Hauptdarsteller beteiligt.

Das Spektakel blieb nicht hinter Studiotoren verborgen. Schaulustige konnten miterleben, wie aus einem vertrauten Ort eine historische Szenerie wurde.

Der Fischmarkt wurde zum alten Hamburg

Die entscheidenden Aufnahmen am Fischmarkt waren für Mittwoch und Donnerstag, den 5. und 6. August 2015, angekündigt. Ein Bericht vom 8. August bestätigt den ungewöhnlichen Dreh. Die Stader Altstadt war keine zufällige Ausweichkulisse: Ihre Fachwerkhäuser, der Hafen und die engen Gassen boten die passende Umgebung für den szenischen Teil der Geschichte des Hamburger Hafens.

Die kleine Pointe: Stade verwandelte sich vor der Kamera in das historische Hamburg. Die Aufnahmeleitung erklärte 2015, die Stader Altstadt solle das alte Hamburg darstellen und Stade werde in der Filmerzählung nicht eigens erwähnt. Welche konkreten Stader Einstellungen im fertigen Schnitt enthalten sind, ist noch nicht durch einen vollständigen Szenenabgleich belegt.

Die Stader Filmkulisse im fertigen Film: In einer auf YouTube abrufbaren Fassung der Dokumentation sind nach Sichtung der NOIO-Redaktion zwischen Minute 6:20 und 7:50 der Stader Fischmarkt und der historische Kran am Fischmarkt zu erkennen. „Gigant des Nordens“ bei YouTube direkt ab 6:20 ansehen. Dieser Sichtungshinweis bezieht sich auf die genannte Passage; ein vollständiger Szenenabgleich weiterer Drehorte steht weiterhin aus.

Stader Fischmarkt im Jahr 2008; keine Aufnahme der Dreharbeiten 2015
Stader Fischmarkt im Jahr 2008, vor den Dreharbeiten zu „Gigant des Nordens“. Foto: Kolossos / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0, Originaldatei. Unverändert übernommen.

Weitere historische Kulissen in Stade und auf Krautsand

Die Filmproduktion nutzte mehrere Schauplätze für verschiedene historische Zeitabschnitte:

  • Fischmarkt: mittelalterlicher Marktplatz mit Requisiten, Tieren und Darstellern.
  • Senatorenhaus an der Bungenstraße: historische Filmkulisse.
  • Johanniskloster: ein altes Hamburger Gängeviertel während einer Cholera-Epidemie.
  • St. Cosmae-Kirche: als weitere Kulisse benannt.
  • Schleusenhaus am Holzhafen: Drehort in der Stadt.
  • Altstadtbrücke: geplante Schmuggelszene aus der Napoleon-Zeit; die genaue Brücke bleibt offen.
  • Krautsand: Außenaufnahmen an der Elbe.

Diese Orte sind durch Drehberichte und Ankündigungen aus dem Jahr 2015 dokumentiert. Ob jede geplante Einstellung in der fertigen Filmfassung verwendet wurde, kann ohne einen vollständigen Szenenabgleich nicht abschließend bestätigt werden.

Eine Zeitreise durch über 800 Jahre Hafenentwicklung

Die rund 90-minütige Dokumentation entstand bei Gruppe 5 Filmproduktion für NDR und ARTE. Stefan Schneider führte bei den Spielszenen Regie und produzierte den Film; Cristina Trebbi schrieb das Buch und verantwortete laut nordmedia die dokumentarische Regie. Laut NDR begleitete Prof. Martin Krieger von der Universität Kiel die Produktion als historischer Fachberater.

Auch die Arbeit hinter der Kamera ist dokumentiert: Manuela Rusch (Aufnahmeleitung), Axel Bierstedt (Set-Aufnahmeleitung), Andrea Giesel (Location-Scouting) und Jutta Krämer (Kostüme). Diese Credits beziehen sich auf die gesamte Produktion; sie belegen nicht, dass jede der genannten Personen persönlich am Stader Fischmarkt im Einsatz war.

Der Film zeichnet die Entwicklung des Hamburger Hafens seit dem späten 12. Jahrhundert nach: die Hansezeit, den Aufstieg zum Welthafen und die Veränderungen durch die Industrialisierung. Gespielte Szenen, Interviews mit Fachleuten, Archivmaterial und Computeranimationen ergänzen sich.

ARTE zeigte den Film erstmals am 28. Mai 2016. Im NDR lief er am 29. September 2016 um 20.15 Uhr. Die Produktions- und Sendetermine sind in Originalangaben und in Crew United dokumentiert.

Was die Dreharbeiten über Stade als Filmstadt erzählen

Stade ist nicht nur ein Drehort für Geschichten, die dort handeln. Seine historische Bausubstanz kann auch andere Städte und Epochen glaubwürdig darstellen. Gerade der Fischmarkt zeigt, warum Location-Scouts die Stadt interessant finden: Hier kann die Kamera eine andere Zeit lebendig werden lassen, ohne dass erst eine komplette Stadt im Studio nachgebaut werden muss.

Ein Dreh mit Stader Beteiligung: Frank Tinnemeyer von der damaligen Stade Tourismus GmbH trat am Fischmarkt laut einem zeitgenössischen Bericht selbst als Komparse auf. Seine Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung und den nordmedia-Location-Scouts hatte dabei geholfen, die historische Stadt als Drehort bekannt zu machen.

Auch hinter der Kamera war Stade vertreten: Die damals 19-jährige Lene Nell arbeitete nach einem Bericht des Stader Tageblatts acht Tage lang bei den Dreharbeiten mit und unterstützte die Aufnahmeleitung. Auf dem öffentlich zugänglichen Fischmarkt stellten zahlreiche Zuschauer die Crew vor organisatorische Aufgaben.

Bereits 2012 wurde unter anderem in Stade für die Fernsehkomödie „Eine Hand wäscht die andere“ mit Ulrich Noethen gedreht. Damit steht der Hafenfilm von 2015 in einer längeren Reihe von Produktionen mit regionalen Schauplätzen.

Für NOIO sind deshalb auch die Erinnerungen der Menschen spannend: Wer war damals als Statist dabei? Wer beobachtete die Dreharbeiten? Welche Gebäude oder Details lassen sich heute im fertigen Film wiedererkennen?

Für einen späteren Bildvergleich soll der Artikel durch eigene Fotos des Fischmarkts ergänzt werden. Fotos von den eigentlichen Dreharbeiten werden nur mit belegten Nutzungsrechten übernommen.

Quellen und weiterführende Recherche

Vorläufiges Beitragsbild: Alter Hansehafen Stade, Aufnahme vom 2. September 2021. Foto: JoachimKohler-HB / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0; Originalquelle. Vorhandenes NOIO-Mediathekbild Nr. 382, unverändert. Kein Foto von den Dreharbeiten 2015.

Hinweis zur Bilddokumentation: Bilder der tatsächlichen Dreharbeiten aus fremden Medien sind mangels Freigabe nicht übernommen. Franks eigene Fotos vom Fischmarkt werden später ergänzt. Die Verwendung einzelner angekündigter Szenen im fertigen Film ist noch nicht abschließend durch eine Filmsichtung geklärt; die Bildnachweise werden bei weiteren Ergänzungen erneut kontrolliert.


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