Inhaltlich geprüft und verantwortlich: Frank Willeke
2019 war ich zum ersten Mal auf der Gamescom in Köln. Sieben Jahre später war ich wieder dort – und obwohl wir erneut eine Menge Spaß hatten, hatte sich für mich einiges verändert. Es war nicht nur eine andere Messe. Auch wir selbst waren inzwischen sieben Jahre weiter.
2019: Mein erster Besuch – ganz spontan

Mein erster Gamescom-Besuch entstand eigentlich eher zufällig. Eine Arbeitskollegin wollte nach Köln fahren und fragte mich, ob ich mitkommen würde. Mein Sohn war damals 13 Jahre alt und fuhr mit. Wir haben nicht lange überlegt und machten uns gemeinsam auf den Weg.
Die Dimensionen der Messe haben mich damals wirklich beeindruckt. Große Hallen, viele Publisher, aufwendig gestaltete Stände und jede Menge Merchandise. Zu den Spielen, die damals besonders präsent waren, gehörten Borderlands 3 und Anno 1800. Auch Overwatch begegnete einem im Merchandise-Bereich immer wieder. Es gab aber nicht nur die großen Namen. Gerade die kleineren Entwickler und Indie-Games machten für mich viel vom Reiz dieser Messe aus.
Ich konnte durch die Hallen laufen, mich von einem Stand zum nächsten treiben lassen und zwischendurch einfach mal ein Spiel ausprobieren. Auch damals musste man teilweise anstehen. Trotzdem hatte ich das Gefühl, dass es viel einfacher war, spontan etwas zu entdecken. Die Messe wirkte riesig, aber für mich war das eigentliche Gaming noch unmittelbarer erlebbar.


Paluten – die menschliche Seite eines großen Auftritts
2019 sahen wir auch Paluten. Mein Sohn war damals ein Fan von ihm und ist es bis heute. Entsprechend groß war zunächst die Freude, ihn auf der Gamescom zu sehen. Vor ihm standen allerdings unglaublich viele Menschen, die ein Foto wollten oder ihm einfach möglichst nahekommen wollten. Meine Arbeitskollegin schaffte es schließlich, noch ein gemeinsames Foto mit ihm zu bekommen. Mein Sohn wollte erst ebenfalls eines, entschied sich dann aber dagegen.
Ich habe Paluten damals eine Weile beobachtet. Und mein ganz persönlicher Eindruck war, dass er mit der Situation zunehmend überfordert wirkte. Ich würde es nicht als Angst bezeichnen. Für mich wirkte die Situation jedenfalls zunehmend belastend. Ich kann natürlich nicht wissen, was er tatsächlich empfunden hat. Mich hat in diesem Moment vor allem die menschliche Seite beschäftigt: Wie fühlt man sich, wenn plötzlich so viele Menschen gleichzeitig etwas von einem wollen?
Wir wollten damals auch HandOfBlood sehen. Das hat für uns am Ende nicht geklappt. Sieben Jahre später begegnete mir das Thema rund um Creator und die gewaltigen Menschenansammlungen auf der Gamescom auf eine ganz andere Weise wieder.
2026: Ein Familienausflug, sieben Jahre später

2026 fuhr ich erneut nach Köln. Diesmal waren wir zu viert: mein inzwischen 20-jähriger Sohn, mein drei Jahre jüngerer Bruder, seine 19-jährige Tochter und ich. Wir waren Freitag und Samstag auf der Messe. Es war also ein richtiger kleiner Familienausflug – mit vier Menschen, die zwar alle Spaß am Gaming haben, aber durchaus unterschiedliche Interessen mitbringen.
Mein Sohn interessiert sich inzwischen besonders für Resident Evil, ich selbst eher für Dead by Daylight. Und natürlich schaut jeder auf einer solchen Messe auf andere Dinge. Genau das machte die beiden Tage auch interessant: Wir konnten gemeinsam losziehen, uns etwas zeigen, getrennt stöbern und anschließend miteinander darüber sprechen.
Was mich diesmal allerdings schon früh beschäftigte: Die Messe fühlte sich für mich wesentlich voller an als 2019. Nicht nur wegen der Besucher. Es war einfach überall etwas untergebracht: Präsentationen, Merchandise, große Marken, Kameras, Creator, Sonderflächen und Bühnen. An vielen Stellen war mir das fast zu viel auf einmal.
Die Bilder zeigen unterschiedliche Perspektiven und Momentaufnahmen. Sie sind kein statistischer Vergleich der Besucherzahlen.


Der Hallenvergleich zeigt persönliche Momentaufnahmen aus unterschiedlichen Situationen – keine statistisch vergleichbaren Besucherzahlen.


Besucherzahlen im Vergleich
Gesamtbesucher vor Ort in Köln – 2019 und 2026
Unterschied: −5.000 Besucher beziehungsweise rund −1,3 %. Interessant ist der Gegensatz zu meinem persönlichen Eindruck: 2026 fühlte sich die Messe für mich deutlich voller an, obwohl die Gesamtbesucherzahl leicht unter 2019 lag. Ein möglicher Teil der Erklärung: Die Messe war 2026 mit 1.743 Ausstellern auf rund 233.000 Quadratmetern deutlich umfangreicher als 2019 mit 1.153 Ausstellern auf 218.000 Quadratmetern. Die Besucherzahl allein sagt also nur einen Teil darüber aus, wie dicht und voll sich einzelne Hallen anfühlen.
Quellen: game – Abschluss 2019 · gamescom – Abschluss 2026
Zwei oder drei Stunden warten – nur um ein Spiel zu sehen?

Mein größter Kritikpunkt 2026 waren ganz klar die Warteschlangen. An manchen Ständen waren Wartezeiten von 120 oder sogar 180 Minuten ausgeschildert. Mein Bruder wollte sich ein Spiel ansehen. Wir standen an einer Schlange, die zunächst gar nicht besonders lang wirkte. Trotzdem hätten wir mindestens anderthalb Stunden warten müssen. Da haben wir es gelassen.
Und genau hier würde ich mir von den Veranstaltern und Ausstellern eine andere Lösung wünschen. Nicht jeder möchte sich zwingend selbst an eine Spielstation setzen. Manchmal will man nur schauen: Wie ist die Grafik? Wie funktioniert das Gameplay? Wie wirkt das Spiel tatsächlich?
Warum also nicht zwei Möglichkeiten anbieten? Eine Warteschlange für Besucher, die wirklich selbst spielen wollen, und eine zweite Möglichkeit für diejenigen, die zunächst nur zusehen möchten – bei entsprechenden Spielen selbstverständlich mit Alterskontrolle. In einem abgeschirmten Raum mit einigen größeren Monitoren könnte man das Gameplay der Spieler an den Teststationen verfolgen. Das wäre für mich eine sehr viel bessere Lösung, als für einen kurzen Blick auf ein Spiel einen halben Messetag opfern zu müssen.
Creator, Kameras und immer größere Menschenansammlungen


2026 hatte ich außerdem den Eindruck, dass deutlich mehr Menschen mit Kameras unterwegs waren. Überall wurde gefilmt, gestreamt und Content für die eigene Community produziert. Natürlich gehört das inzwischen dazu. Trotzdem hatte ich an manchen Stellen das Gefühl, dass Creator selbst stärker in den Mittelpunkt rückten als die Spiele.
Schradin in der Retro Area – Creator sind längst Teil der Gamescom
Ein besonders anschauliches Beispiel erlebten wir in der Retro Area mit Schradin. Dort fiel mir zunächst das unmittelbare Umfeld seines Auftritts auf. Nach meinem Eindruck wurde er von etwa fünf oder sechs Personen begleitet. Das ist keine Kritik an ihm oder seinem Team. Für mich zeigte die Situation vielmehr, wie professionell und groß manche Creator-Auftritte auf der Gamescom inzwischen organisiert sind.
Mich erinnerte die Szene an Paluten 2019. Damals hatte ich vor allem wahrgenommen, wie belastend eine große Menschenmenge für einen einzelnen Creator wirken kann. 2026 erschien mir das ganze Umfeld noch einmal größer und stärker organisiert. Creator sind längst nicht mehr nur Gäste der Messe – für viele Besucher sind sie selbst ein eigener Programmpunkt.






Auch das Sicherheitsaufgebot erschien mir insgesamt hoch. Viele Cosplayer hatten aufwendig gestaltete Waffenattrappen dabei; entsprechend wichtig waren aus meiner Sicht klare Regeln und Kontrollen. Bei einer Veranstaltung dieser Größenordnung ist das für mich nachvollziehbar.
Cosplay – beeindruckend, aber für mich gibt es auch Grenzen



Cosplay gehört für mich zu den schönsten Seiten der Gamescom. Es ist beeindruckend, wie viel Mühe manche Menschen in ihre Kostüme stecken. Die handwerklichen Details, selbst gebaute Rüstungen, Make-up, Perücken und das Auftreten als Figur – da steckt teilweise unglaublich viel Arbeit drin. Auch mit Furries habe ich überhaupt kein Problem. Das gehört für mich zur Vielfalt dieser Szene.
2026 bin ich allerdings mindestens drei Personen in ausgeprägten Latex-Outfits begegnet, bei denen für mich persönlich eine Grenze erreicht war. Eine Person trug einen nahezu vollständigen Latexanzug, bei dem im Gesicht im Grunde nur Augen, Nase und Mund frei waren. Eine der Darstellungen empfand ich ganz ausdrücklich als vulgär.
Meine Meinung dazu ist klar: Das war für mich der falsche Ort und das falsche Outfit. Wer so etwas auf einer Fetisch- oder Sexmesse tragen möchte, soll das dort gerne tun. Aber auf einer Gamescom, auf der auch viele Kinder, Jugendliche und Familien unterwegs sind, hat eine derart sexualisierte Darstellung für mich nichts zu suchen. Ich betrachte das auch aus meinem pädagogischen Blickwinkel: Solche Eindrücke können Kinder aus meiner Sicht überfordern. Gerade deshalb wünsche ich mir, dass der Veranstalter hier auf einen passenden Rahmen achtet.
Das ist ausdrücklich keine Kritik an Cosplay oder an Furries. Im Gegenteil: Gerade die kreativen, liebevoll gestalteten Kostüme haben mich auch 2026 wieder begeistert.
CD Projekt Red und die Ciri-Cosplayerin


Besonders gut hat mir der aufwendig gestaltete Stand von CD Projekt Red rund um The Witcher gefallen. Dort hatte ich das Gefühl, dass man sich wirklich Gedanken darüber gemacht hatte, wie eine Spielwelt auf der Messe erlebbar werden kann. Solche Auftritte sind für mich immer noch ein großer Teil dessen, weshalb ich überhaupt zur Gamescom fahre.
Dort traf ich auch eine Ciri-Cosplayerin, deren Outfit und Darstellung ich wirklich gelungen fand. Mit ihr habe ich einige Fotos gemacht; zwei davon sind hier im Artikel zu sehen. Den Namen der Cosplayerin nenne ich bewusst nicht, solange ich ihn nicht zweifelsfrei zuordnen kann.
Die Retro Area – zurück zum eigentlichen Spielen

Die Retro Area hat mir 2026 ebenfalls sehr gut gefallen. Für mich war sie sogar einer der angenehmsten Bereiche. Alte Konsolen, Computer und Automaten, dazu Menschen, die mit sichtbarer Freude Spiele ausprobierten und miteinander ins Gespräch kamen. Diese Ecke schien sich großer Beliebtheit zu erfreuen.
Vielleicht mochte ich sie gerade deshalb so sehr, weil dort etwas von dem Gefühl wieder auftauchte, das ich mit meinem ersten Gamescom-Besuch verbinde: einfach hingehen, schauen, ausprobieren und sich mit anderen über Games austauschen.
Mehr Verkauf, mehr Marken – und erstaunlich gutes Catering



2026 empfand ich die Gamescom deutlich kommerzieller als bei meinem ersten Besuch. Merchandise gab es schon 2019 reichlich. Diesmal hatte ich aber teilweise das Gefühl, dass sich sehr vieles um Marken, besondere Artikel, Sammelobjekte und zusätzliche Verkaufsflächen drehte. Selbst große Handelsketten wie Müller waren präsent. Das kann natürlich Spaß machen. Nur wünsche ich mir, dass daneben genug Raum bleibt, um Spiele ohne lange Wartezeiten tatsächlich zu erleben.
Eine klare Verbesserung war für mich dagegen die Verpflegung. 2019 fand ich das Catering regelrecht katastrophal: viel Fastfood, wenig Auswahl und nichts, was mir besonders positiv in Erinnerung geblieben wäre. 2026 habe ich das deutlich angenehmer erlebt. Auch unsere Unterkunft war auf Gamescom-Besucher eingestellt. Wir bekamen sogar eine kleine Begrüßung und gute Wünsche für unseren Messebesuch. Solche Kleinigkeiten bleiben hängen.
Cosplay Contest: tolle Show – und Kriterien, die man als Zuschauer kaum sieht


Am Ende unseres Besuchs schauten wir uns noch den großen Cosplay Contest an. Die Moderation fand ich richtig unterhaltsam: viel Wortwitz, ein gutes Gespür fürs Publikum und insgesamt eine kurzweilige Show. Leider mussten wir vor dem endgültigen Ende losfahren. Den Rest sahen wir uns später noch einmal im Stream an.
Einige Teilnehmer wurden vom Publikum regelrecht gefeiert. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir eine gewaltige Fallout-Rüstung. Umso erstaunter war ich später über manche Preisentscheidungen. Einige Gewinner waren mir während der Show nicht annähernd so sehr aufgefallen wie andere Teilnehmer. Für mich als Zuschauer blieben die Kriterien teilweise undurchschaubar.
Das bedeutet nicht, dass ich beurteilen könnte, ob die Jury falsch entschieden hat. Nach den inzwischen veröffentlichten Teilnahmebedingungen werden die Hauptkategorien von einer Fachjury vergeben. Im Prejudging zählen unter anderem Verarbeitung, Komplexität, unterschiedliche Techniken und Materialien, die Genauigkeit zur Vorlage, Make-up, Proportionen und der Gesamteindruck. In der Bühnenshow kommen außerdem Unterhaltungsfaktor, Beweglichkeit, Props, Verständlichkeit der Show und die Qualität der eingesetzten Medien hinzu. Der Publikumsapplaus entscheidet nur über den Preis „Fan Favorite Live“ – dort wird die Lautstärke per Dezibelmesser gemessen. „Fan Favorite Online“ wird separat über eine Online-Abstimmung ermittelt. Für mich erklärt das im Nachhinein zumindest, warum manche Entscheidungen aus dem Zuschauerraum schwer nachvollziehbar wirkten.
Quellen und Videos zum Cosplay Contest: Teilnahmebedingungen des gamescom cosplay contest 2026 · Mitschnitt der Finalshow · Livestream des Cosplay Contest 2026.
Mein Fazit: viel Spaß – und ein Wunsch an die Gamescom
Bei aller Kritik hatte ich 2026 zwei richtig schöne Tage. Wir waren als Familie unterwegs, trafen nette Menschen, sahen beeindruckende Kostüme und Stände und kamen immer wieder ins Gespräch. Genau solche Erlebnisse machen für mich eine Gamescom aus.
2019 fühlte sich die Messe für mich stärker nach einer Spielemesse an. 2026 war sie aus meiner Sicht eher ein großes Festival rund ums Gaming – mit allem, was dazugehört: Creator, Merchandise, Technik, Show und einem erheblich größeren kommerziellen Angebot.
Ich wünsche mir nicht unbedingt die Gamescom von 2019 zurück. Aber ich wünsche mir, dass das eigentliche Spielen bei all dem Trubel nicht zu kurz kommt. Hingehen, etwas entdecken, zuschauen, ausprobieren und gemeinsam Spaß haben – dafür sollte man nicht erst zwei oder drei Stunden in einer Warteschlange stehen müssen.
Inhaltlich geprüft und verantwortlich: Frank Willeke
Alle Bilder: Gamescom 2019 und 2026
Wer noch weiter durch die beiden Messebesuche stöbern möchte, findet hier die komplette Fotosammlung. Die Bilder sind nach Jahren getrennt und chronologisch sortiert. Bereits separat importierte Auswahlkopien bleiben – wie gewünscht – ebenfalls enthalten.
Gamescom 2019129 Bilder · chronologisch

































































































































Gamescom 2026130 Bilder · chronologisch

































































































































