Inhaltlich geprüft und verantwortlich: Frank Willeke
Seit dem 15. September liegt die „Energos Force“ in Stade-Bützfleth. Das schwimmende LNG-Terminal soll nach Tests und Abnahmen erstmals im November Flüssigerdgas anlanden und in das deutsche Gasnetz einspeisen. Damit wird aus einem lange verzögerten Projekt ein realer Testfall.
Eigentlich sollte Stade schon 2024 LNG einspeisen
Das schwimmende Terminal war deutlich früher vorgesehen. Die landseitige Infrastruktur verzögerte sich jedoch mehrfach. Zwischenzeitlich wurde die „Energos Force“ anderweitig verchartert und war zuletzt in Jordanien im Einsatz. Nun ist das Schiff zurück.
Die bundeseigene Deutsche Energy Terminal GmbH rechnet für 2027 mit einer Einspeisung von rund 3,2 Milliarden Kubikmetern Gas über Stade. Nach Betreiberangaben entspräche das rechnerisch ungefähr dem Jahresverbrauch von 2,6 Millionen Vierpersonen-Haushalten.
Das Argument für Stade: Versorgungssicherheit
Der Ausbau deutscher LNG-Kapazitäten wurde nach dem russischen Angriff auf die Ukraine stark beschleunigt, um zusätzliche Importwege zu schaffen. Aus dieser Perspektive ist Reservekapazität Teil einer Versicherung gegen Lieferausfälle. 2025 kamen laut NDR rund zehn Prozent der deutschen Gasimporte als LNG ins Land; der deutlich größere Teil kam weiterhin per Pipeline.
Die Gegenfrage: Wie viel zusätzliche Kapazität wird gebraucht?
Die Deutsche Umwelthilfe kritisiert das Stader Terminal als überflüssige fossile Infrastruktur. Sie verweist auf bereits bestehende Terminals in Wilhelmshaven, Brunsbüttel und Mukran und bezweifelt, dass die Fernleitungen in diesem Winter überhaupt genügend freie Kapazität haben, um zusätzliches Gas aus Stade abzutransportieren.
Das ist die Position eines Umweltverbandes – kein Beweis, dass das Terminal unnötig ist. Aber sie lässt sich anhand realer Daten überprüfen.
Was jetzt gemessen werden sollte
- Wie viel LNG wird 2026 und 2027 tatsächlich in Stade angelandet?
- Wie viel davon wird real in das Fernleitungsnetz eingespeist?
- Wie hoch ist die tatsächliche Auslastung des Terminalschiffs?
- Wie stehen Betriebskosten und Versorgungseffekt zueinander?
- Welche Rolle spielt Stade, wenn andere Importwege ausreichend Kapazität bereitstellen?
Und danach kommt noch das feste Terminal
Parallel zur schwimmenden Lösung ist ein landseitiges Terminal geplant, das nach bisherigem Zeitplan 2029 betriebsbereit sein soll. Damit geht die Debatte weit über die „Energos Force“ hinaus: Es geht um Infrastruktur für Jahrzehnte, während der Gasverbrauch langfristig sinken soll.
NOIO-Einordnung: Die Frage ist nicht, ob Versorgungssicherheit wichtig ist. Die Frage ist, welche zusätzliche Infrastruktur dafür tatsächlich erforderlich ist, wie lange sie gebraucht wird und ob die ursprünglichen Annahmen nach mehreren Jahren Verzögerung noch stimmen.
Quellen:
NDR: Energos Force in Stade angekommen
NDR: Verzögerungen und festes Terminal