Meine Sicht: Über das Altländer Viertel lässt sich leicht eine harte Schlagzeile schreiben. Schwarzer Schimmel, ein gesperrtes Hochhaus, Polizeieinsätze oder Müll liefern Bilder, die hängen bleiben. Probleme zu verschweigen wäre falsch. Genauso falsch wäre es aber, daraus ein Urteil über rund 3.000 Menschen abzuleiten.
Das Viertel trägt seinen schlechten Ruf seit Jahrzehnten mit sich herum. Schon alte Fernsehberichte aus den späten 1990er Jahren machten Stade bundesweit mit einem sehr zugespitzten Bild dieses Stadtteils bekannt. Wer sich heute nur diese alten Bilder und die neuesten Negativmeldungen ansieht, könnte glauben, in fast drei Jahrzehnten sei nichts passiert.
Das stimmt so nicht. Die Stadt hat über viele Jahre investiert, Gebäude verschwanden, neue entstanden, öffentliche Bereiche wurden umgestaltet und soziale Einrichtungen aufgebaut. Gleichzeitig zeigt die aktuelle Haussperrung sehr deutlich, dass Investitionen in Straßen und Plätze allein nicht jedes Problem lösen.
Missstände klar benennen – Menschen nicht abstempeln
Wenn Wohnungen ohne Wasser und Heizung vermietet werden oder gesundheitsgefährdender Schimmel entsteht, ist das kein Imageproblem. Es ist ein reales Problem und muss konsequent kontrolliert werden. Dabei gehört für mich aber genauso klar gesagt, wer verantwortlich ist: nicht „das Viertel“, sondern konkrete Eigentümer, konkrete Zustände und – bei Straftaten – konkrete Täter.
Gerade bei einem Stadtteil, der seit Jahrzehnten mit dem Etikett „Brennpunkt“ lebt, muss Berichterstattung genauer sein. Die große Mehrheit der Bewohner lebt friedlich. Viele leiden selbst am meisten unter verwahrlosten Immobilien, Vermüllung oder wenigen Menschen, die Regeln missachten.
Vielleicht liegt genau darin die Aufgabe für die kommenden Jahre: konsequent gegen konkrete Missstände vorgehen und gleichzeitig aufhören, einen ganzen Stadtteil auf seine schlechtesten Schlagzeilen zu reduzieren.
Dieser Beitrag ist persönliche Einordnung und ausdrücklich als Meinung gekennzeichnet. Die zugrunde liegenden Fakten und Quellen stehen im NOIO-Hintergrundbeitrag „Altländer Viertel: Zwischen alten Problemen und sichtbarem Wandel“.